Die Nachbarin

Jessika Herrmann

Jessika Herrmann kannte Flüchtlinge nur aus den Nachrichten – bis sie plötzlich zu ihren Nachbarn wurden. Wie verändert sich das Leben als Anwohnerin der größten Erstaufnahme-Einrichtung Bayerns?

21. August 2016, 22:03 h

“Mörder haben alle möglichen Nationalitäten”

Einige der Gewalttaten der letzten Wochen wurden auch von Flüchtlingen begangen – Jessika Herrmann erklärt in ihrer August-Kolumne, warum sich ihr Blick auf Flüchtlinge trotzdem nicht ändert.

“Als ich vom Amoklauf bei uns in München erfahren habe, war meine Mutter zu Besuch und wir wollten gerade zum Italiener gehen. Obwohl zu dem Zeitpunkt noch nicht klar war, ob es sich um einen terroristischen Anschlag handelt und vielleicht noch weitere Täter in der Stadt herumlaufen, haben wir das auch gemacht. In unserem Wohnviertel waren wir nicht die Einzigen, die unterwegs waren. Es war also nicht so, dass die ganze Stadt in Panik versunken war. 

Aus meiner Sicht ging das Leben danach normal weiter: Natürlich hat man über den Amoklauf geredet, aber ich habe überhaupt niemanden getroffen, der seitdem sein Verhalten geändert hätte. Ich würde zum Beispiel auch ohne Angst auf das Oktoberfest in ein paar Wochen gehen.

Meine Einstellung zu Flüchtlingen hat sich seit den Geschehnissen der letzten Wochen – also seit Würzburg, Ansbach, München – überhaupt nicht verändert. Mörder haben alle möglichen Nationalitäten. Es kann eben auch ein Deutscher sein, der ein voll besetztes Flugzeug gegen einen Berg fliegt oder in seiner Schule andere Kinder und Jugendliche erschießt. Da ist es doch egal, ob es ein Deutscher oder ein Syrer ist.”