Die junge Mutter

Rana Salib

Als die Bomben fallen, will Rana Syrien verlassen. Sie nimmt nur ihren sechsjährigen Sohn mit nach Deutschland, ihre Tochter muss sie zurücklassen. Nun will Rana ihre Familie nachholen – um jeden Preis.

30. September 2016, 17:53 h

Auch der Familiennachzug leidet

“Die Wartezeit auf meine Tochter und meinen Mann ist so lang. Ein Bekannter von mir aus Hamburg hat seine Frau und seine zwei Kinder inzwischen nach Deutschland geholt und das, obwohl seine Familie den Termin in der Deutschen Botschaft im Libanon viel später hatte als meine. Bei ihnen hat es nur eine Woche gedauert bis sie ein Visum für Deutschland bekommen haben. Mein Mann und meine Tochter warten jetzt schon seit drei Monaten.

Es ist furchtbar. Meine Tochter hat außerdem Probleme in der Schule. Ich glaube, ihre neue Lehrerin mag sie nicht. Gleich am ersten Tag nach den Ferien sagte sie zu meiner Tochter: „Ach, du bist das Mädchen, dessen Mutter in Deutschland ist.“ Sie wirft meiner Tochter vor, dass sie sich zu glücklich verhalten würde.

Für meinen Mann ist es auch nicht einfach. Er hat seine Arbeit gekündigt, weil er dachte, dass er in kurzer Zeit in Deutschland ist. Jetzt sind es schon drei Monate und er kann keine neue Stelle anfangen, ohne zu wissen wie lange er noch bleiben wird. Niemand würde einen Betriebswirt für einen Monat einstellen. Deswegen muss er im Moment jede Arbeit annehmen, die er finden kann. Er hat studiert und ist hochqualifiziert und arbeitet jetzt als Taxifahrer.”

Protokoll führte Inga Back