Der Krisenmanager

Peter Geese

Während seine Freunde am Sonntag ausschlafen, steht Peter Geese im Stress. Er organisiert täglich das Leben in einer Erstaufnahme-Einrichtung. Mit 21 Jahren trägt er bereits Verantwortung für hunderte Menschen.

11. März 2016, 10:52 h

„Fremdenhass ist nicht nur ein sächsisches Problem“

Krisenmanager Peter Geese berichtet nach den fremdenfeindlichen Vorfällen in Clausnitz und Bautzen von der Stimmung in seiner Heimat Sachsen.

Ich war im Urlaub in Nordrhein-Westfalen und habe versucht total abzuschalten. Deshalb habe ich erst spät von den Vorfällen in Clausnitz und Bautzen erfahren. Was dort passiert ist, ist einfach Wahnsinn. Ich kann nicht verstehen, was in den Köpfen der Täter vorgeht.

Ich glaube, es wäre falsch, die Taten als sächsisches Problem abzutun. In letzter Zeit häufen sich fremdenfeindliche Vorfälle bei uns zwar, doch ich bin mir sicher, dass andere Bundesländer die gleichen Probleme haben.

Wenn ich privat unterwegs bin, begegnen mir häufig Menschen, die gegenüber Flüchtlingen negativ eingestellt sind. Ich versuche dann zu diskutieren und sie vom Gegenteil zu überzeugen. Aber immer öfter merke ich: Diskutieren wollen viele gar nicht. Sie bleiben lieber bei ihren Stammtisch-Parolen.

Bei uns in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge wird gar nicht mehr über die Vorfälle geredet. Dafür ist im Alltag einfach zu viel los. Das Thema scheint schon wieder abgehakt.

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass die Flüchtlinge zurzeit sehr unzufrieden mit ihrer Situation sind. Viele sitzen seit Monaten ohne spürbaren Fortschritt in der Gemeinschaftsunterkunft. Allerdings werden die organisatorischen Abläufe immer besser. Gleichzeitig kommen immer weniger Flüchtlinge. Optimistischer als je zuvor kann ich deshalb trotz aller Probleme sagen: Wir schaffen das.

So beurteilt Reporterin Julia Heinke die Entwicklung von Krisenmanager Peter Geese: