Der Bürgermeister

Maik Mackewitz

1500 Flüchtlinge über Nacht: Bürgermeister Maik Mackewitz muss zwischen seinen 3000 Bürgern und der Flüchtlingsstadt vermitteln, die neben seinem Heimatort Calden wächst.

30. Dezember 2015, 5:00 h

„Ich will die richtigen Entscheidungen treffen”

Das wünscht sich Bürgermeister Maik Mackewitz für das Jahr 2016.

26. Dezember 2015, 10:55 h

schaffen_wir_das

Innerhalb von 24 Stunden entstand am Stadtrand von #Calden ein Notfall-Zeltlager für bis zu 1500 Menschen aus 20 Nationen. #Bürgermeister Maik Mackewitz muss nun zwischen den 3000 Einwohnern seiner hessischen Gemeinde und den Asylsuchenden vermitteln. #schaffenwirdas #flüchtlingskrise #flüchtlinge

23. Dezember 2015, 5:00 h

Schaffen wir das, Herr Mackewitz?

Der Bürgermeister erklärt, wie wir die Flüchtlingskrise meistern können.

19. Dezember 2015, 5:00 h

„Zuhause ist er Papa und kein Bürgermeister“

Familie und Freunde vertrauen Maik Mackewitz im Umgang mit den Flüchtlingen in Calden. Auch, weil sie seine Führungsqualitäten schätzen.

16. Dezember 2015, 5:00 h

„Ich appelliere an Ihr Einfühlungsvermögen”

Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz hat sich mit einem offenen Brief an seine Bürger gewandt, um sie darüber zu informieren, was in der Flüchtlingseinrichtung passiert.

12. Dezember 2015, 17:12 h

Kriseneinsatz in der Heimat

In der hessischen 3000-Seelen-Gemeinde Calden werden bis zu 1500 Flüchtlinge untergebracht. Berufssoldat und Bürgermeister Maik Mackewitz steht vor einer großen Herausforderung.

Am 22. Juni 2015 hat die europaweite Flüchtlingskrise auch die Gemeinde Calden in Hessen erreicht. „Innerhalb von 48 Stunden, mussten wir am alten Flughafen ein Notfall-Zeltlager aus dem Boden stampfen”, berichtet Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz. Auf einmal lebten bis zu 1500 Flüchtlinge aus 20 verschiedenen Nationen vor der Ortsgrenze der 3000-Seelen-Gemeinde. Und Mackewitz, der für die Zeit seines Bürgermeisteramtes beurlaubte Oberstleutnant im Generalstabsdienst, musste sich den Sorgen, Ängsten und Vorurteilen seiner Mitbürger annehmen. Calden ist eine von hunderten Kommunen in Deutschland, die sich dieser Herausforderung stellen müssen. Und Mackewitz ist sich sicher: Die Situation wird sich erst mal nicht ändern. „Ich sehe die Realitäten in Europa und in Deutschland und stelle mich darauf ein, in Calden mehrere Jahre mit dieser Einrichtung leben zu müssen”, sagt der 48-Jährige.

Mackewitz ist ein waschechter „Cällischer”. In Calden wuchs er auf, in Calden kennt er jeden – und jeder kennt die Großfamilie Mackewitz. Das Dorf, in dem sich nahezu jeder beim Vornamen kennt, liegt inmitten landschaftlicher Idylle. Nun fungiert Mackewitz für seine Mitbürger als Schnittstelle zur Erstaufnahme-Einrichtung. Seine Erfahrungen bei der Bundeswehr helfen ihm bei der Arbeit. Er fordert Informationen aus der Einrichtung an, verarbeitet sie und gibt sie weiter. Er liebt Organisation, Hierarchien und Strukturen. Als Mackewitz uns im Caldener Rathaus empfängt, bekommen wir ein Gefühl dafür, wie der Mann tickt. Bei einem Kaffee sollen wir ihm über die Abläufe der kommenden Tage berichten. Nach zwei Minuten holt er kurzerhand ein Flipchart an unseren runden Tisch und schreibt in großen Buchstaben: „Montag: Schnittbilder Rathaus.” Dieser Mann will planen, die Kontrolle behalten, dabei bleibt er freundlich und bestimmt. Mackewitz ist der Typ von nebenan – und ein Familienmensch. Zuhause könne er schnell aus der Rolle des Bürgermeisters schlüpfen, sagt er. „Meine Familie musste sich erstmal daran gewöhnen, dass ich jetzt jeden Tag daheim bin. Während meiner Bundeswehrzeit war ich es nur am Wochenende.” Seine beiden Söhne begleitet er auf den Fußballplatz, seine Töchter besucht er beim Tanzen oder beim Handball. Mackewitz selbst ist bekennender Fan von Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach, geht gerne joggen, schwimmen oder stemmt Gewichte.

 

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Maik Mackewitz (l.) mit Sohn Jan und Reporter Florian Plettenberg nach dem Rundflug über die Caldener Erstaufnahme-Einrichtung.

 

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Reporter Florian Plettenberg (l.) im Interview mit Maik Mackewitz im Caldener Rathaus.

 

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Reporter Erik Peters (l.) mit Maik Mackewitz auf dem Tower des alten Caldener Flughafens.

Stemmen muss er auch die zukünftigen Herausforderungen in Calden. Zum Jahresende lebten etwa 900 Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung. Doch Mackewitz rechnet damit, dass die Anzahl der Flüchtlinge 2016 erneut auf 1500 ansteigen wird. „Daher muss die Einrichtung zu einer sich selbst tragenden, autarken Organisation aufgebaut werden. Mit Beschäftigungsmöglichkeiten wie Sport, Kultur und Kinderbetreuung. So, dass Menschen in einer guten Wohnsituation, gut organisiert in unser Gesellschaftssystem eingegliedert werden können.” Derzeit laufen erste Gespräche über den Bau eines Skateboardparks in einer leerstehenden Halle am Flughafen. Mackewitz, der sich sonst aus den Angelegenheiten innerhalb der Einrichtung zurückhält, ist Feuer und Flamme für das Projekt. „Da mache ich mich jetzt ran”, sagt er. Für Schaffen wir das? werden wir die Entwicklung dieser Gemeinde und ihres Bürgermeisters begleiten.

Das erwartet die Flüchtlinge in Calden

  • Äußern die Flüchtlinge bei Grenzübertritt den Wunsch, in Deutschland Asyl beantragen zu wollen, werden sie gemäß dem „Königssteiner Schlüssel” auf die Bundesländer verteilt.
  • Kommen Flüchtlinge nach Hessen, werden sie der hessischen Erstaufnahme-Einrichtung in Gießen zugewiesen. Dort werden sie registriert und bekommen einen sogenannten „Hausausweis” – eine Art Identifikationsnummer.
  • Flüchtlinge, die mangels Kapazität nicht in Gießen bleiben können, werden Außenstellen wie Calden zugeteilt.
  • In Calden müssen sich die Flüchtlinge der medizinischen Erstuntersuchung unterziehen, da dies zuvor noch nicht geschehen ist. Mit Bussen oder Taxis werden sie in das 13 Kilometer entfernte Kassel zum Röntgen gebracht.
  • Sind die medizinischen Untersuchungen abgeschlossen und gilt der Flüchtling als gesund, wird er als „medizinisch unbedenklich” eingestuft. Andernfalls werden die Flüchtlinge betreut, bis sie genesen sind. Das ist Voraussetzung für die Einladung zum Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. In diesen Anhörungen stellen die Flüchtlinge ihren Asylantrag. Außerdem werden sie noch einmal offiziell erfasst. Diese Anhörungen finden zukünftig in Calden statt, um die Verfahren zu beschleunigen. Danach werden die Asylsuchenden in der Regel den Kommunen zugewiesen.
  • Wird der Asylantrag abgelehnt, erhält der Flüchtling eine förmliche Aufforderung, das Land zu verlassen. Dies muss innerhalb von 14 Tagen geschehen.
  • Hält der Flüchtling diesen Zeitraum nicht ein, kann die Abschiebung angeordnet werden.