Der Arbeitgeber

Sven Gempper

Für Sven Gempper kann Integration nur funktionieren, wenn die Flüchtlinge rasch eine Arbeit finden. Deshalb will der Werksleiter ihnen einen guten Start in ein neues Leben ermöglichen – mit Ausbildung und Sprachkurs.

4. März 2016, 12:58 h

Der letzte Arbeitstag

Die erste Gruppe von Integrationspraktikanten hat ihre Ausbildung im Betrieb von Sven Gempper absolviert. Zeit für ein Zwischenfazit

Am 17. November 2015 haben acht Flüchtlinge in dem bis heute in Mitteldeutschland einzigartigen Praktikumsprojekt von AGCO-Werksleiter Sven Gempper ihre Ausbildung begonnen. Drei Monate später sind noch sechs von ihnen übrig, die nun mit ersten Arbeitserfahrungen und einem Zertifikat in der Hand ihren weiteren beruflichen Weg einschlagen können.

Nach den ersten zwei Monaten in der Ausbildungswerkstatt durften die Praktikanten auch in der Produktion mit aushelfen. „Da konnten sie mal reinschnuppern und sehen, was ein ausgelernter Schweißer oder Industriemechaniker alles können muss“, sagt Gempper. Und die Zusammenarbeit mit der normalen Belegschaft hatte auch noch einen ganz anderen Zweck: „Das Wesentliche ist, dass jetzt direkt Kontakt da war mit Menschen, die geflüchtet sind und damit diese Thematik aus der Anonymität herausgekommen ist. Man sieht die einzelne Person, kann sich mit der unterhalten und bemerkt, dass die nett ist und auch arbeiten will. Damit ist die Distanz weg.“

Neben den handwerklichen Fertigkeiten standen bei dem Programm auch immer das Erlernen der deutschen Sprache und „deutsche Tugenden“ wie Pünktlichkeit und Fleiß auf dem Plan. „Das haben sie mit der Zeit eigentlich alle verinnerlicht“, resümiert Ausbilder Holger Baldauf. „Wir hatten dieses Jahr nicht einen Verschläfer. Was aber noch nicht richtig hinhaut, ist der Arbeitsschutz. Das haben sie noch nicht richtig verstanden. Aber so ein Finger wächst halt nicht nach.“

Ausbilder Holger Baldauf mit den Praktikanten

Zwei der Praktikanten steht nun sogar eine Zukunft bei AGCO offen, einem als Auszubildenden und einem als Hilfsarbeiter. Der Rest der Gruppe wird zunächst einen sechsmonatigen Integrationskurs belegen. Danach sehen die Ziele ganz verschieden aus: Einer möchte Koch werden, einer Lkw fahren, ein anderer nach Frankfurt ziehen und dort weiter an seinem Einstieg in das Berufsleben arbeiten.

„Was sie begreifen müssen, ist, dass es nicht von heute auf morgen geht. Eine Ausbildung geht drei Jahre oder dreieinhalb. Dann hat man erstmal was in der Hand, und dann kann man auch viel einfacher auf dem Markt unterkommen“, erklärt Holger Baldauf. Er hofft, dass alle Absolventen des Praktikums diesen Schritt gehen und auch langfristig das Ziel im Auge behalten werden, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und sich selbst versorgen zu können. „Man kann ihnen was Gutes mit auf den Weg geben, aber den Weg müssen sie selber finden“, sagt er.

Um auch Kollegen auf seine Praktikanten und das Programm aufmerksam zu machen, hat Sven Gempper über 15 Unternehmen aus der Region zu sich eingeladen. Die Reaktionen waren gut, einige denken gar darüber nach, einzelnen Absolventen nach ihrem Integrationskurs eine Stelle bei sich anzubieten. Ähnliche Projekte wie das von AGCO gibt es derweil noch nicht. „Es war jetzt auch erst das erste Quartal. Das dauert immer ein bisschen, bis die Wirtschaft in die Pötte kommt. Ich hoffe, dass dann zumindest im Sommer, also sagen wir mal im dritten Ausbildungsquartal, der ein oder andere Kollege mitmacht“, erklärt Gempper.

Für den Werksleiter hat sich das Projekt bereits jetzt gelohnt, „nicht finanziell, aber menschlich“, sagt er. Bereits am 7. März wird die nächste Gruppe von Flüchtlingen ihr Praktikum beginnen, insgesamt 32 pro Jahr sollen es werden. „Es wird eine riesige Aufgabe für unsere Gesellschaft, das zu bewältigen“, so Sven Gempper. „Aber wir haben ja eigentlich gar keine andere Chance, als die, die hierbleiben dürfen, zu integrieren.“